Potenziale der Tiefengeothermie in unserer Region

Der Oberrheingraben bietet besonderes Potenzial für Teifengeothermie.

Eines ist klar: Die Energiewende ist nur zu schaffen, wenn mehr erneuerbare Wärme erzeugt wird, also neben der Stromwende auch die Wärmewende gelingt. Aktuell liegt Deutschland bei gerade einmal rund 14 Prozent erneuerbarer Wärme in Bezug auf den gesamten Wärmebedarf.

Zur Einspeisung in Wärmenetze haben unter den erneuerbaren Energien nur die Geothermie, die Solarthermie sowie die Umweltwärme ein hohes Ausbaupotenzial. Besonders entlang des Oberrheingrabens und in Oberschwaben sind die Potenziale für mögliche Tiefengeothermieanlagen enorm.

Im Rahmen eines interkommunalen Tiefengeothermieprojekts werden wir deshalb in den kommenden Jahren 19 Kommunen in unserer Region genauer unter die Lupe nehmen. In einem ersten Schritt wird untersucht, wie groß die Potenziale genau sind und welche Regionen sich besonders für eine solche Anlage eignen.

Studien zeigen: Unsere Heimat bietet besondere geothermische Potenziale. Diese sollen nun im Detail auf ihre Eignung zur nachhaltigen Wärmeerzeugung untersucht werden.
Klaus Preiser, technischer Geschäftsführer badenovaWÄRMEPLUS

Klaus Preiser, technischer Geschäftsführer badenovaWÄRMEPLUS


Potenzialanalyse für Tiefengeothermie in der Region

Eine Potenzialanalyse soll die Basis bilden, um zu beurteilen, ob und wo Erdwärmeanlagen in unserer Region wirtschaftlich erneuerbare Energie liefern könnten. Das Projekt wird gemeinschaftlich mit folgenden Kommunen durchgeführt: Bad Krozingen, Breisach, Buggingen, Ebringen, Ehrenkirchen, Eschbach, Freiburg, Gottenheim, Gundelfingen, Hartheim, Heitersheim, Ihringen, March, Merdingen, Müllheim, Neuenburg, Pfaffenweiler, Schallstadt und Umkirch.

Um die Potenziale und Standorteignung für Tiefengeothermie fachkundig und detailliert ermitteln zu können, sind verschiedene Schritte notwendig. Im Folgenden finden Sie die geplanten nächsten Schritte im Überblick. Diese werden im Projektverlauf kontinuierlich aktualisiert und ergänzt.

Aufsuchungsgenehmigung

Bevor Untersuchungen und Analysen des Bodens angestellt werden dürfen, muss eine zweckgebundene Aufsuchungsgenehmigung des zuständigen Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) vorliegen. Im ersten Schritt haben wir daher eine solche Aufsuchungsgenehmigung für eine Potenzialanalyse der Tiefengeothermie in unserer Region beantragt. Dabei handelt es sich lediglich um das grundlegende Recht, in einem festgelegten Gebiet einen bestimmten Rohstoff aufsuchen zu dürfen. Dem Inhaber sind noch keine technischen Maßnahmen gestattet.

Ziel einer Aufsuchung ist es, bisher unbekannte Lagerstätten oder Potenziale ausfindig zu machen. Dabei ist es uns wichtig, Potenzial zu finden, das möglichst ortsnah zu den größten bereits bestehenden oder geplanten Wärmenetzen ist.

Nach ausführlicher Prüfung haben wir am 22. April 2021 vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Regierungspräsidium Freiburg die bergrechtliche Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme im Feld „Südlicher Oberrhein“ erteilt bekommen.

Tiefengeothermie Nutzung in der Region
Nutzung von Tiefengeothermie am Oberrheingraben in unserer Region.

Prospektion

Um das knapp 320 km² große Untersuchungsgebiet auf ein konkretes Potenzialgebiet eingrenzen zu können, gehen wir in die weitere großflächige Erkundung, auch Prospektion genannt. Hierzu werden zunächst bereits existierende Daten ausgewertet, um zu entscheiden, wo diese weiter verdichtet werden müssen.

Seismologische Grafiken

Bereits existierende Daten können beispielsweise 2D-Seismiken sein. Die Analyse einer seismologischen 2D-Grafik und weiterer bereits vorhandener wissenschaftlicher Daten durch einen erfahrenen Geologen wird zunächst über die vorkommenden Gesteinsschichten Aufschluss geben. Daraus lassen sich erste Erkenntnisse ableiten, wo und wie tief gebohrt werden muss, um bestimmte Temperaturen zu fördern. Mit diesem Schritt soll das Potenzialgebiet konkretisiert werden, um im weiteren Projektverlauf gezielt weitere geophysikalische Untersuchungen und Explorationen im Potenzialgebiet anstellen zu können.

Dazu zählt zum Beispiel der Einsatz von sogenannten Seismik-Trucks. Diese speziellen Vibrationsfahrzeuge erzeugen Schallwellen, deren Reflexionen durch Geophone aufgezeichnet werden. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit und Reflexion der Vibrationswellen in den Gesteinsschichten werden gemessen und ausgewertet. Auf Grundlage dieser Daten planen wir zum Jahreswechsel 2021/2022 die Erstellung einer 3D-Seismografik, die nahezu alle inneren Erdbegebenheiten widerspiegelt.

Seismologie

Die Seismologie ist ein Teilgebiet der Geophysik und erforscht den inneren Aufbau der Erde. Mithilfe seismologischer Grafiken kann das Erdinnere visualisiert werden.

Gravimetrie-Untersuchungen

Im Juni startet die gravimetrische Datensammlung, um ein noch verlässlicheres Bild über die geothermischen Potenziale zu gewinnen. Ein erfahrenes Geologen-Team wird Gebiete in der Region begehen und mit einem kleinen Messgerät die Erdanziehung am jeweiligen Messpunkt erfassen.

Auch vergangene Gravimetrie-Untersuchungen fließen in die Analyse mit ein. Bereits 2007 haben wir in einem Teil des Aufsuchungsgebiets mit hochempfindlichen Messgeräten, die nach dem Prinzip der Federwaage funktionieren (Gravimeter), Veränderungen des Schwerefeldes der Erde untersucht. Ziel der Gravimetrie ist es, aus den Schwereanomalien Erkenntnisse über geologische Strukturen abzuleiten.

Aus allen Messwerten wird dann die Dichteverteilung im Untergrund berechnet.

Aero-Magnetik

Um die Datengrundlage in bestimmten Gebieten zu verdichten, planen wir zudem auch die Durchführung neuer geologischer Untersuchungen wie z.B. einer Aero-Magnetik mittels Helikopterbefliegung. Aero-Magnetik ist die Erfassung von Parametern des Erdmagnetfeldes durch Überfliegen der Erdoberfläche. Der Hubschrauber zieht dabei ein Magnetometer ähnlich eines Pendels nach, dessen Daten digital aufgezeichnet werden. Neben der Erforschung der Erdkruste dienen sie beispielsweise auch für die Suche nach Lagerstätten. Bei dieser Untersuchungsmethode findet kein Eingriff in den Untergrund statt.

Die Helikopterbefliegung startete am Montag, 17. Mai und wurde innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen. Der Helikopter führte einen 30 m langen Schleppkörper, einen Magnetometer, mit sich und flog in zirka 330 m Höhe. Überflogen wurde der Bereich zwischen Kaiserstuhl im Norden und Müllheim im Süden auf 250 m voneinander Ost-West verlaufenden Linien mit einer Geschwindigkeit von ca. 110 Km/h. Im Westen ist der Rhein und im Osten der Fuß des Schwarzwaldes die Grenze (Vorbergzone). Die Daten des Magnetometers wurden digital aufgezeichnet, weshalb der Helikopter mit einer Vielzahl an Messinstrumenten bestückt war. Das gewonnene Datenmaterial ist von guter Qualität. In den kommenden Wochen werden nun die Messungen von Fachleuten ausgewertet

Die Herausforderung der Flüge lag u.a. darin, den 30 m langen Schleppkörper mit sich zu führen. Winde und Regen hatten in den beiden Wochen die Befliegung mitunter schwierig gestaltet. Durchgeführt wurde die Aktion durch die Experten der Firma terrascan airborne mit Sitz in Heitersheim. Der Helikopter, der zum Einsatz kam, hat die Kennung D-HHGR und wird von der Firma HTC (Helikopter Charter GmbH) in Donaueschingen betrieben.

Vorerst keine Bohrungen

All diese Untersuchungen beinhalten keinen aktiven Eingriff in den Untergrund. Mit Hilfe der bereits vorhandenen und neu gewonnenen Daten soll im zweiten Halbjahr 2021 das Potentialgebiet, das bisher noch die 19 Kommunen Bad Krozingen, Breisach, Buggingen, Ebringen, Ehrenkirchen, Eschbach, Freiburg, Gottenheim, Gundelfingen, Hartheim, Heitersheim, Ihringen, March, Merdingen, Müllheim, Neuenburg, Pfaffenweiler, Schallstadt und Umkirch beinhaltet, näher eingegrenzt werden.

Warum wir der richtige Partner sind…

Kompetenzpartner badenovaWÄRMEPLUS
  • größter Wärmeversorger der Region
  • lokale Wärmenetze über die gesamte Region
  • langjährige Erfahrung und Expertenwissen im Bereich der erneuerbaren Energien
  • aktive Beteiligung von Kommunen und Bürgern
  • großes Netzwerk (u. a. mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg und mit Referenzprojekt-Partnern)