Häufige Fragen & Antworten rund um die Geothermie

Glühbirnen hängen in Reihe von der Decke

Wir haben die häufigsten Fragen und Antworten rund um die Geothermie für Sie zusammengestellt.

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Allgemeines und Vorteile

Haltung der Politik

Seismik und Grundwasserschutz

Allgemeines und Vorteile

Warum bietet die Erdwärme so viel Potenzial?

99 Prozent der Erde sind wärmer als 1.000 Grad Celsius. Im Innern ruhen nahezu unerschöpfliche Mengen an Wärmeenergie, die als erneuerbare Energien lokal genutzt werden können. Der Vorteil der Erdwärme: Sie ist unabhängig von Wind, Wetter und der Tageszeit verfügbar. Mit ihr lassen sich große Mengen an CO2 und anderen Treibhausgasen vermeiden.

Erdwärme ist ideal, um sie großräumig über Wärmeleitungen bzw. -netze zu den Verbrauchern zu transportieren. Bei sehr hohen Temperaturen kann die geothermische Energie auch zur Stromerzeugung genutzt werden.

Wann spricht man von Tiefengeothermie?

Bei der Tiefengeothermie wird die Erdwärme in mindestens 400 Metern und tiefer genutzt. Meist ist es sinnvoll, die Potenziale in einer Tiefe von wenigen tausend Metern zu erschließen. Je nach Region können dort Temperaturen von weit über 100 Grad Celsius vorliegen.

Warum eignet sich der Oberrheingraben besonders zur Erdwärmegewinnung?

Der Oberrheingraben ist aufgrund seiner geologischen Verhältnisse und den damit verbundenen erhöhten Temperaturen im tieferen Untergrund besonders gut für eine geothermische Nutzung geeignet. Je tiefer man bohrt, umso heißer ist es: Während in Mitteleuropa die Temperatur im Schnitt um etwa drei Grad Celsius pro 100 Meter Tiefe zunimmt, steigt sie im Oberrheingraben um etwa 4,5 Grad pro 100 Meter.

Welche Vorteile haben die Bürger und die Kommunen durch eine Erdwärmeanlage?

Erdwärme ist eine regionale, unerschöpfliche und erneuerbare Energiequelle. Anders als andere Heizsysteme benötigt der Anschluss an ein Erdwärmenetz im eigenen Zuhause sehr wenig Platz, da keine großen technischen Anlagen installiert werden müssen. Als Bürger heizen Sie nachhaltig und profitieren gleichzeitig von einem beachtlichen Raumgewinn.

Die Kommunen können ihren Bürgerinnen und Bürgern eine günstige und klimaneutrale Energieversorgung bieten. Sie gewinnen an Attraktivität als technologiefreundlicher und umweltbewusster Standort. Auch energieintensive Betriebe, die wegen der ab 2021 beschlossenen CO2-Steuer immer stärker entsprechende Einsparpotenziale berücksichtigen müssen, können profitieren.

Haltung der Politik

Wie steht die Politik zur Geothermie?

Die Bundesregierung hat anspruchsvolle Klimaschutzziele definiert und treibt mit verschiedenen Gesetzen zur beschleunigten Energiewende wie dem Klimaschutzplan 2050 die Entwicklung einer zukunftsfähigen Energieversorgung kontinuierlich voran. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll neben der Versorgung mit elektrischem Strom insbesondere auch im Wärmemarkt ausgebaut werden.

Sowohl Bundes- als auch Landespolitik sehen in der Geothermie große Potenziale - insbesondere im Hinblick auf die Wärmewende sehen sie einmalige Chancen durch die günstigen Voraussetzungen am Oberrhein. Die Politik befürwortet deshalb ausdrücklich Initiativen, die diese Potenziale unter die Lupe nehmen und zu heben versuchen.

Die tiefe Geothermie spielt für die Energiewende und die hierfür notwendige nachhaltige Wärme- und Stromerzeugung eine entscheidende Rolle. Baden-Württemberg verfügt vor allem mit dem Oberrheingraben über hervorragende Potenziale zur Nutzung der tiefengeothermischen Energie. Die Landesregierung will den Ausbau der tiefen Geothermie deshalb verstärkt fördern. Das Kabinett hatte in seiner Sitzung am 24. März 2020 beschlossen, sich dafür zu engagieren, die Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Einsatz der tiefen Geothermie zu verbessern.

„Die tiefe Geothermie kann einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten“, so Umweltminister Franz Untersteller. „Allerdings spielt sie bislang bei der Wärme- und Stromversorgung hierzulande nur eine untergeordnete Rolle. Dabei gibt es in Baden-Württemberg sehr gute Potenziale. Mit dem Beschluss spricht sich der Ministerrat für deren Nutzung aus.“

Für das Erreichen der Klimaziele und die damit verbundenen Herausforderungen wurden verschiedene Maßnahmen in einer Road Map Geothermie verankert.

Welche Maßnahmen beinhaltet die Road Map Tiefengeothermie?

Mit der Road Map Tiefengeothermie verfolgt die Politik das Ziel, die Rahmenbedingungen für die Tiefengeothermie zu verbessern. Der Fokus sei insbesondere darauf gerichtet, die Öffentlichkeit über Chancen und Risiken der Tiefengeothermie zu informieren und möglichen Vorbehalten der Bevölkerung fachlich fundiert zu begegnen, erläuterte Umweltminister Franz Untersteller. „Darüber hinaus geht es darum, die technischen und wirtschaftlichen Potenziale für profitable Projekte zu untersuchen, Erschließungskonzepte zu entwickeln und Netzwerke für die Umsetzung von Projektideen zu knüpfen.“

Zur Entwicklung und Erprobung eigenständiger Maßnahmen durch das Landesforschungszentrum Geothermie (LFZG) hat das Umweltministerium einen entsprechenden Forschungsantrag bewilligt.

Seismik und Grundwasserschutz

Inwiefern beeinflusst die Tiefengeothermie seismische Aktivitäten?

Seismische Aktivitäten bestehen aufgrund der Plattentektonik im Erdmantel immer. Meist sind sie so schwach ausgeprägt, dass wir davon gar nichts mitbekommen. Um die seismischen Aktivitäten dennoch messen zu können, wurden spezielle, hochempfindliche Monitoringsysteme entwickelt. Diese können Erschütterungen in der Tiefe frühzeitig erkennen, auch wenn sie an der Oberfläche nicht spürbar sind. Erdwärmeanlagen können beim Auftreten solcher Erdschwingungen gezielt gesteuert oder heruntergefahren werden.

Das Umweltbundesamt beurteilt die seismischen Risiken der Geothermie wie folgt: „Die maximale Stärke von induzierten seismischen Ereignissen ist in der Geothermie deutlich niedriger als bei vielen weiteren Bergbauaktivitäten. Die Risiken sind bei Beachtung der in der Genehmigung festgelegten Vorsichtsmaßnahmen weder wahrscheinlich noch schwerwiegend.“

Bestehen bei der Geothermie Risiken für das Grundwasser?

Gefahren für das zur Trinkwassergewinnung nutzbare Grundwasser sind mit den angewandten Methoden bei Einhaltung der Vorgaben des Bergrechts sowie der Beachtung der Anforderungen des Trink- und Grundwasserschutzes laut Umweltbundesamt nicht zu erwarten.

Beim Betrieb einer Geothermieanlage handelt es sich um einen obertägig geschlossenen Wasserkreislauf, zu entsorgendes Lagerstättenwasser fällt dabei nicht an. Lediglich bei der Erschließung von Erdwärme kann je nach Region Tiefenwasser mit hohem Salzgehalt und weiteren trinkwasserhygienisch relevanten Spurenstoffen mitgefördert werden. In diesem Fall sind die bestehenden Standards zu beachten und das belastete Tiefenwasser muss fachgerecht entsorgt werden.

Die Bohrungen werden mehrwandig aufgebaut und bilden damit eine sichere Barriere. Zudem werden die Bohrungen sowie das geförderte Thermalwasser ständig überwacht.

Können Gestein oder Thermalwasser radioaktiv belastet sein?

Die Gesteinsschichten des Oberrheingrabens, die für die Tiefengeothermie relevant sind, weisen keinerlei erhöhte Strahlung auf. Es handelt sich dabei um das gleiche Material, wie es überall an den Rändern des Oberrheingrabens an der Oberfläche vorhanden ist und aus dem auch viele Häuser hier in der Region gebaut sind (Kalkstein, Sandstein, teilweise auch Meeresablagerungen wie Tonstein). Geringfügig erhöhte Strahlungswerte könnten Gesteine des Grundgebirges, wie z.B. Granit oder Erz aufweisen. In diesen Tiefen sind jedoch keine Aktivitäten geplant.

Das mineralisierte Thermalwasser kann eine geringe Strahlung aufweisen. Diese ist natürlichen Ursprungs und unbedenklich. Zudem handelt es sich bei einer Tiefengeothermieanlage um ein geschlossenes System, bei dem das Thermalwasser im laufenden Betrieb nicht an der Oberfläche austritt. Lediglich an Filtern und Wärmetauschern der Anlage können sich radioaktive Rückstände in kleinen Mengen ablagern. Diese werden bei Wartungs- und Reinigungsarbeiten fachmännisch und unter Berücksichtigung arbeitsschutzrechtlicher Maßnahmen entsorgt. Für die Bevölkerung besteht keine Gefahr.

Weitere Informationen des Bundesamts für Strahlenschutz:
Natürliche Strahlenbelastung
Grenzwerte für Strahlenschutz
Mögliche Strahlenbelastung durch Geothermie

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tiefengeothermie@badenova.de